Man reicht uns den Schmus, wir haben nichts zu tun wie den Namen druntersetzen. Er lügt und wir müssen unterschreiben.
No is das ein Leben?
Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit
Das Massaker in Tremseh
16.07.2012
"Syrische Regierungstruppen sollen nach Angaben von Aktivisten in dem Dorf Tremseh in der Provinz Hama ein Massaker verübt haben. 'Mehr als 220 Menschen wurden getötet und rund 300 weitere verletzt', sagte Abu Omar, der örtliche Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee, der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht zum Freitag", schreibt der Spiegel und beschreibt damit einen weiteren Anlass Sanktionen gegen Syrien zu verlangen bzw. einseitig zu verhängen.
Dass der Ablauf, wie er in den westlichen Leitmedien beschrieben wird unglaubwürdig ist, ist offensichtlich. So heisst es z.B. in Spiegel Online:
"...erklärte, die Armee habe das Dorf am Donnerstag erst belagert und unter Beschuss genommen. ... Reuters zufolge kamen dabei Kampfhubschrauber und Panzer zum Einsatz. Dann seien Milizionäre des Regimes aus umliegenden Dörfern in den Ort gekommen, um die Menschen in ihren Häusern zu töten. 150 Leichen seien in die Moschee des Dorfes gebracht worden. (Die Milizionäre) seien über das Dorf hergefallen, nachdem sich die Rebellen aus der Gegend zurückgezogen hätten. Sämtliche Gebäude seien in Brand gesteckt worden."
Hier wird ein Ablauf geschildert, der seit mehr als einem Jahr immer und immer wieder geschildert wird: Gleichgültig, was die Aufständischen der sogenannten "Freie Syrische Armee" unternehmen, ob sie Soldaten entführen oder töten, ob sie Dörfer besetzen oder verlassen, ob sie Busse enführen um Lösegeld zu erpressen – in den Darstellungen der Presse tötet die syrische Armee niemals Aufständische. Immer sind es Zivilisten, die von ihr getötet werden.
Also auch in diesem Fall: Die Armee belagert und beschießt das Dorf mit Hubschraubern und Panzern, aber irgendwie geschieht nicht wirklich viel. Erst als sich die Aufständischen zurückziehen, beginnt das Töten. Wobei noch nicht einmal die Frage gestellt (geschweige beantwortet) wird, wie die Aufständischen den belagerten Ort verlassen konnten. Wie man auf Google Earth ersehen kann, ist der Ort sehr klein (ca. 1 km2), er ist von Feldern umgeben und seinen Grenzen sind übersichtlich.
Syrische Reaktion
Die erste Reaktion Syriens war allerdings nicht sehr Vertrauen erweckend. Es wurde ebenfalls von einem Massaker gesprochen, begangen natürlich von der FSA.
Unter der Überschrift "Terroristen überfallen Tremseh und begehen Massaker" schrieb die offizielle syrische Nachrichtenagentur SANA:
Dutzende Terroristen stürmten das Dorf Tremseh im Landkreis Hama und töteten oder verwundeten Dutzende syrische Zivilisten. Ein Augenzeuge erklärte, die Terroristen hätten Dutzende der Häuser des Dorfes verwüstet, zerstört und verbrannt, bevor die zuständigen Behörden einschreiten konnten. Sie hätten 50 Personen getötet."
http://www.sana.sy/eng/337/2012/07/13/431204.htm
Diese erste Version der Ereignisse entsprach nicht ganz den späteren Berichten. So erklärt später einer der festgenommenen und "geständigen Teroristen", ein Anwohner des Dorfes, im syrischen Fernsehen, er habe sich einer Gruppe von ungefähr 250 Bewaffneten angeschlossen. Sie hätten Befehl erhalten, die Sicherheitskräfte anzugreifen und Staatsangestellte und andere daran zu hindern, zur Arbeit zu gehen, um einen Streik durchzusetzen.
Solch ein Vorgehen der Auständischen wird immer wieder berichtet. Eine Lehrerin, die ich persönlich kenne, hat gleiches aus ihrem Dorf in der Nähe von Damaskus berichtet.
Ein anderer Anwohner des Dorfes, ein Polizist, erklärte, Bewaffnete hätten ihn und seine Familie bedroht und ihn gezwungen, sich ihrer Gruppe anzuschließen. Es seien seit ungefähr 3 Wochen 250 Bewaffnete im Dorf gewesen, die geplant hätten, die Sicherheitskräfte anzugreifen und mit Gewalt einen "Streik" durchzusetzen. Am Donnerstag hätten sie gehört, dass die Armee die Stadt umzingele. Sie versuchten, die Stadt zu verlassen und als ihnen das nicht gelang, griffen sie die Sicherheitskräfte an. In den folgenden Kämpfen seien einige getötet worden.
http://www.sana.sy/eng/337/2012/07/13/431292.htm
Der Frage, wieviel Zwang wohl nötig war, diesen Polizisten dazu zu bringen, ein Gewehr in die Hand zu nehmen und sich den Bewaffneten anzuschliessen, wolllen wir nicht weiter nachgehen...
Später erklärte SANA, die syrische Armee habe in einer präzisen Aktion, gestützt auf Informationen von Anwohnern, die Terroristen besiegt und große Mengen von Waffen und Ausweisen erbeutet. Darunter ausländische Ausweise (u.a.ein türkischer Ausweis). Zivilpersonen seien nicht zu Schaden gekommen. Allerdings seien die Leichen einiger Bürger gefunden worden, die die Terroristen entführt und getötet hatten.
http://www.sana.sy/eng/21/2012/07/13/431278.htm
Beide Seiten erklären, dass Bewaffnete im Dorf waren, die Armee das Dorf einschloss und beschoss. Offensichtlich unglaubwürdig berichtet die FSA, die Bewaffneten wären einfach verschwunden woraufhin Milizen ein Massaker anrichteten.
Die Berichte der "geständigen Terroristen" sind demgegenüber sehr viel detaillierter und glaubwürdiger. Sie zeigen aber nicht nur, dass hier ein bewaffneter Kampf stattgefunden hat und nicht ein Massaker. Wenn einige - wie die beiden, die SANA zitiert - oder viele(?) dieser Terroristen aus dem Ort selbst oder der Umgebung kommen, bedeutet es auch, dass dieser militärische Widerstand eine Basis vor Ort hat.
Nur bedingt glaubhaft ist die New York Times (http://www.nytimes.com/2012/07/15/world/middleeast/details-of-a-battle-challenge-reports-of-a-syrian-massacre.html) bzw. der erste Bericht der UN-Beobachter, wenn es heisst, die Angriffe hätten den Häusern von Aktivisten(?) und Deserteuren gegolten. Es habe auch Ermordungen aus nächster Nähe gegeben. Es gebe Räume, in denen sich Blutlachen und Patronenhülsen befänden.
Blutlachen und Patronenhülsen sind wohl unzweifelhaft Nebenprodukt kriegerischer Auseinandersetzungen und beweisen für sich allein keineswegs, dass jemand aus nächster Nähe umgebracht wurde. Und in gewissem Sinne kann man jemanden, der aus seinem Haus heraus die Armee bekämpft als Aktivisten bezeichen...
Die NYT berichtet weiter, dass Videos aus verschiedenen Quellen zeigen, dass die Getöteten junge und teilweise bewaffnete Männer sind. Während es ursprünglich hieß, es seien bis zu 200 Menschen getötet worden, wurde die Zahl selbst in Oppositionskreisen mittlerweile auf 100 oder sogar sehr viel weniger reduziert.
Selbst die NYT muss anzuerkennen, dass die Indizien nahelegen, dass der Bericht der syrischen Regierung näher bei der Realität liegt als die Berichte von einem Massaker. Und sie zitiert den Leiter der londoner "Beobachtungsstelle", Rami Abdul-Rahman, mit den Worten: Wenn die syrische Armee weiß, dass sich Bewaffnete in einem Gebiet versammeln, greift sie an.
Das allerdings ist nicht wirklich verwunderlich.
Lokale Kämpfer oder ausländische Teroristen?
Mit Sicherheit kann man sagen, dass Bewaffnete aus dem Ort oder der Umgebung in diesen Kämpfen engagiert sind, so wie die beiden Zeugen, die im syrischen Fernsehen auftraten. Sie erwähnen auch einen(?) türkischen und mehrere libysche Kämpfer. Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob 5, 10 oder 20 libysche Kämpfer an dieser Auseinandersetzung beteiligt waren.
Die NYT mokiert sich ein wenig über die schlechte Bewaffnung dieser Terroristen und zitiert einige der Waffen aus den syrischen Berichten und erwähnt ganz beiläufig "25 Satelliten-Telefone". Damit allerdings hat Tremseh, ein Dorf in Syrien mit 11.000 Einwohnern, wahrscheinlich die höchste Anzahl an Satellitentelefonen pro Kopf der Bevölkerung weltweit.
Für die NYT ist das nicht weiter verwunderlich: sie weiß ohnehin, dass die NATO die Aufständischen mit den präzisesten, wichtigsten und tödlichsten Waffen des 21. Jahrhunderst versorgt: Informationstechnologie und – Information.
Panzer in Douma
07.05.2012
Reuters berichtet:
Waffenstillstandkontrolleure der UN sahen am Samstag, 05.05.2012 in Douma dass die Armee ihre Panzer nicht zurückgezogen hatte, wie vereinbart. Anwohner beklagten sich, "dass die Beobachter nur zusehen, wie wir sterben...".
http://www.nytimes.com/reuters/2012/05/05/world/middleeast/05reuters-syria-douma.html?hp
Alles wieder sehr dramatisch. Gleichzeitig heisst es in dem Reuters-Bericht, dass die Anwohner oft darüber klagen, dass die Stadt zu einer Gespensterstadt geworden wäre. Und doch kann der Reuters-Journalist das nicht bestätigen:
An diesem Samstag waren die Geschäfte offen, die Fabriken arbeiteten, die Menschen waren auf der Straße und passierten abgebrannte Gebäude und Checkpoints. Der zentrale Markt war überfüllt.
Warum auch nicht.
Wir waren zwei Wochen vorher für 14 Tage in Geremana, das liegt ganz in der Nähe von Douma. Die Nächte waren ruhig, die Straßen geschäftig. Zum ersten Mal hörten wir eine Schießerei aus Douma, als die UN-Beobachter in Syrien angekommen waren, in der Nacht vor unserer Abreise. Wie von syrischen Freunden erwartet: die Beobachter boten Anlass für Bewaffnete erneut Scharmützel zu provozieren.
Weiter heisst es bei Reuters:
Als Mitte April die ersten Beobachter in Syrien ankamen, wurden sie von Anwohnern, die die Opposition unterstützen, als Helden empfangen. Aber jetzt sind viele empört, dass sie das Töten nicht stoppen können.
Als ich die ersten Beobachter sah - das war Mitte April in Damaskus, waren die einzigen, die davon Notiz nahmen, die Verkehrspolizisten. Sie mussten nämlich dafür sorgen, dass der Bus der Beobachtermission unbeschadet und eilig durch den Verkehr von Damaskus geleitet wurde. Oppositionelle, die die Beobachter als Helden begrüßt hätten, sah ich keine. Diese Art von Opposition habe ich in zwei Wochen Damaskus und Aleppo nie gesehen. Allerdings viele Menschen, die Veränderungen und Stabilität wollten...
Ach ja, der Panzer:
Ein syrischer Offizier erklärte dem Beobachter, dem marokkanischen Oberst Ahmed Himmiche, dass der Tank, dessen Kanone klar sichtbar war, tatsächlich ein gepanzerter und leicht bewaffneter Transporter war.
'Er transportiert Soldaten und Verletzte', sagte er. Wenn Sie wollen, kann ich ihn sofort entfernen lassen'.
'Nein, das ist schon in Ordnung', erwiderte Himmiche.
Der Henker von Homs
27.03.2012
Kürzlich berichtete Spiegel Online mit einem wohligen Grausen über den Henker von Homs.
Diesmal war ausnahmsweise nicht Assad gemeint. Es ging um ein Mitglied der "Henkergruppe" von Homs, der sich brüstete, in den letzten Monaten mehr als 100 Menschen bestialisch abgeschlachtet zu haben - man kann leider keinen anderen Ausdruck dafür benutzen.
Seit August, heißt es in dem Artikel, waren die Foltergruppe und die Henkergruppe in Homs aktiv.
An sein erstes Mal kann sich Hussein kaum noch erinnern. Auf dem Friedhof war es wohl, abends oder nachts, er weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls war es Mitte Oktober vergangenen Jahres, und der Mann war Schiit, sicher. Er hatte gestanden, Frauen getötet zu haben. Anständige Frauen, Frauen, deren Männer und Söhne gegen das Regime Baschar al-Assads protestiert hatten. Also sollte der Soldat der regulären syrischen Armee sterben.
Ob das Geständnis durch Schläge erzwungen worden war, war Hussein gleich, ebenso, dass sein Opfer Todesangst hatte, Gebete stammelte. Sein Pech, dass die Rebellen ihn geschnappt hatten. Hussein setzte sein Armeemesser an und schnitt dem knienden Mann die Kehle durch.
Mit der Exekution des Soldaten hatte Hussein seine Feuertaufe bestanden: Von nun an war er Teil der "Begräbnis-Brigade" von Homs. Die Männer, nur eine Hand voll, töten im Namen der syrischen Revolution. Das Foltern überlassen sie anderen: 'Dafür gibt es die Verhör-Brigade, die macht den hässlichen Teil der Arbeit', sagt Hussein, der derzeit in einem Krankenhaus im libanesischen Tripoli behandelt wird: Bei der Bodeninvasion der Armee in Bab Amr hat er Schrapnellverletzungen am Rücken erlitten.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823382,00.html
Wer sich ernsthaft mit der Situation in Homs auseinandersetzte, für den ist das nichts neues. Schon im Sommer letzten Jahres haben wir von den sektiererischen Tötungen in Homs berichtet, von den Alawiten, die vertrieben oder getötet wurden.
Zu dieser Zeit berichteten die Mainstream-Medien - allen voran der Spiegel - immer noch über die Untaten des Assad-Regimes, das friedliche Demonsranten in Homs abschlachten würde.
Das waren alles Lügen. Jetzt berichtet der Spiegel zwar über die Henker und Folterer, die man einmal Aktivisten und Demonstranten nannte, nimmt aber von den früheren Lügen nichts zurück.
Die syrische Armee hat die Folterer und Schlächter aus Homs vertrieben. Einer von ihnen liegt jetzt im Libanon im Krankenhaus und gibt dem Spiegel Interviews.
Interessante Links
Mittlerweile ist die Sicht nicht mehr so uniformiert und uninformiert wie noch vor einigen Wochen. DRS1 z.B. hat einen interessanten Bericht gebracht, der
hier zu finden ist.
Hier ein Bericht eines chrislichen Priesters über die Situation in Syrien.
Und hier ein Interview von Bayern 3.
Homs
Homs war schon seit Monaten ein Zentrum ethnischer Vertreibungen von Alawiten und Christen durch Extremistische Sunniten. Nach den medialen Blutbädern in Homs, in denen die Bürger von Homs den Angriffen des Militärs zum Opfer fielen muss ich nun doch den folgenden Bericht veröffentlichen. Er wurde im Juli(!) 2011 geschrieben, als all unsere Medien noch von der Demokratiebewegung in Syrien geträumt hatten. Es liest sich nicht schön...
... hat mir furchtbare Geschichten erzählt die er von seinen Verwandten in Homs gehört hat. Die Menschen dort haben grosse Angst, überhaupt noch auf die Strasse zu gehn. Leute werden erschossen und richtig geschlachtet und von jemandem hat er erzählt, der sei gehäutet worden und jemand, dem die Glieder abgeschnitten wurden und in Onkels Haus überall Kugeln und manchmal mit Hilfe des Militärs würden sie zu Lebesmittel kommen. Demonstrationen, das seien keine Demonstrationen... Motorradfahrer die um sich schiessen oder aus irgendeinem Hinterhalt schiessen und die Menschen seien total eingeschüchtert, vor allem die Alawiten und die Christen.
... hat mir von Familien, die er kennt (aus Damaskus) erzählt, deren Verwandte im Militär gestorben sind. Er hat mir von seinem Cousin und seiner Frau erzählt, die ich persönlich kenne. Der Onkel der Frau lebt in Homs und ist um die 80 Jahre alt. Sie haben in Al Jazira erfahren, dass er umgekommen sei. Als sie sich sofort bei der Familie meldeten, haben die gesagt, sie hätten gar nicht gewusst dass der Onkel ein Held sei. Er sei eigentlich zu hause eines ganz natürlichen Todes gestorben..."
Medienkrieg
Je länger die Krise in Syrien andauert, umso deutlicher wird, dass die westlichen Medien mit ihrer Berichterstattung bereits Krieg gegen Syrien führen. Dubiose Quellen werden ungeprüft millionenfach weiterverbreitet; Informationen, die dem offiziellen Bild widersprechen, werden kaum veröffentlicht.
Der britische Journalist Jonathan Steel berichtet unter der Überschrift "Die meisten Syrer unterstützen Präsident Assad; aber aus den westliche Medien werden sie nichts davon erfahren" über die politischen Aktionen der Medien, und über die ausländische militärische Intervention, die bereits im Gange ist.
Virtualität, Chuzpe, Wirkung:
Trommeln für den Krieg
Wer sich erinnern kann, weiß, mit welcher Überzeugung unsere Medien von den Massenvernichtungswaffen des Irak berichtet haben und dass Saddam abrüsten müsse. Das ganze war natürlich frei erfunden; und wer den „Geheimbericht“ las, den der britische Premierminister Tony Blair damals veröffentlichen liess, um die Bürger zu informieren, der wusste das. Und jeder Journalist musste das wissen und schrieb dennoch von den Massenvernichtungswaffen.
Und wer sich erinnern kann, weiß von der „Brutkastenlüge“. Um den Krieg gegen Irak nach seinem Einmarsch in Kuweit vorzubereiten, ließ eine Werbeagentur Tränen fließen, eine "Augenzeugin" berichtete.
Eine damals fünfzehnjährige Kuwaiterin erklärte vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses unter Tränen, sie habe freiwillige Arbeit im Al-Adnan-Krankenhaus in Kuwait-Stadt geleistet und sagte wörtlich: „Ich habe gesehen, wie die irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen …, die Säuglinge aus den Brutkästen nahmen, die Brutkästen mitnahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.“ Erst später stellte sich heraus, dass die Jugendliche die Tochter eines kuwaitischen Diplomaten war. Die Organisation Citizens for a Free Kuwait hatte die PR-Agentur Hill and Knowlton für 10 Millionen US-Dollar beauftragt, die erfundene Geschichte des Mädchens publik zu machen. Zwei Krankenschwestern der betreffenden Entbindungsstation erklärten später, dass die Jugendliche nicht dort gearbeitet habe und die von ihr beschriebenen Vorfälle niemals stattgefunden hätten. Das Ganze ist unter dem Stichwort "Brutkastenlüge" bei Wikipedia nachzulesen.
Die US-Regierung wollte der Öffentlichkeit den Krieg verkaufen; was für einen Sinn hätte es da gehabt, den wirklichen Verbrechen des Regimes – von denen es genügend gab - nachzuspüren.
Zweierlei ist daran wichtig, wenn wir die Situation in Syrien heute betrachten. Nicht jeder „Augenzeuge“ sagt die Wahrheit. Und: obwohl vielleicht ein Augenzeuge lügt, mag ein anderer dennoch Recht haben mit seinen Vorwürfen gegen die Regierung - oder auch mit seiner Verteidigung der Regierung.
Wer an die Tränen und die Lügen des Mädchens denkt bei ihrem Bericht über die ermordeten Babys tut gut daran, auch die Augenzeugen aus Syrien kritisch anzuhören. Wir haben viele Berichte aus und über Syrien kritisch geprüft. Wir haben sie verglichen mit Informationen aus Wikipedia, Google Earth,YouTube, mit anderen Berichten und unserer eigenen Erfahrung.
Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: vieles ist gelogen, frei erfunden und in vielen Fällen sollen die Tränen die Lüge verbergen. Daneben mag es nach wie vor unzählige wahrheitsgemäße Berichte über Grausamkeiten des Regimes geben. Für uns heißt das, es ist an der Zeit zwischen realen Verbrechen des Regimes und frei erfundenen Vorwürfen zu unterscheiden.
Wir stellen hier unsere Liste der Top-10 erfundenen Vorwürfen über Syrien vor. Wie kommt ein Vorwurf auf unsere Liste? Wir urteilen anhand von 3 Kriterien:
Virtualität, Chuzpe und Wirkung
Virtualität: Die Wahrheit ein bisschen entstellen, bestimmte Ausschnitte der Realität zu betonen und andere auszublenden: das kann jeder. Das kann auch die syrische Regierung – es ist die konventionelle Methode der Propaganda. Dieses Vorgehen bringt einen Vorwurf nicht besonders weit nach oben auf unserer Liste. Wir bevorzugen Vorwürfe, die frei erfunden sind, aber gut verkauft werden – virtuelle Propaganda.
Chuzpe: Eng verbunden mit Virtualität ist Chuzpe. Einen Vorwurf frei zu erfinden ist das eine. Einen Vorwurf, der jedem kritischen Denken hönisch ins Gesicht lacht gut zu verkaufen: das bringt ihn voran. Einen frei erfundenen Vorwurf, der bereits einmal in aller Öffentlichkeit entlarvt wurde, der auf Wikipedia in allen Einzelheiten dargestellt ist gerade und erst recht nochmal zu verbreiten: dazu gehört Chuzpe. Das sind Anwärter auf die Top-5 der Liste!
Wirkung: Natürlich nützt der beste Vorwurf nichts, wenn er keine Wirkung entfaltet, wenn – gleichgültig aus welchen Gründen – das Publikum ihn nicht richtig annimmt. Umgekehrt: auch eine tumbe Lüge kann eine enorme Wirkung entfalten; das Publikum ist wohl leider so. Auch das bringt einen Vorwurf auf unserer Liste voran. Aber es ist nichts, woran wir Gefallen finden.
Für Virtualität, Chuzpe und Wirkung vergeben wir je 10 Punkte; der Platz ergibt sich aus der Summe der Punkte. Bei Puktegleichstand ergibt sich der Platz aus der höheren Zahl von Punkten bei Virtualität bzw. Chuzpe. Wir vergeben maximal 10 Punkte für jedes Kriterium. Es liegt in der Natur des Begriffs und seiner zugrundliegenden Idee, dass wir gelegentlich mehr als 10 Punkte für Chuzpe vergeben.
Hier also die Liste der Top-10 Lügen über Syrien
Platz8: Proteshochburgen in den Grenzdörfern
Platz 7: Brutalitäten
Platz 6: Beobachter werden belogen
Platz 5: Ölzweige als Produktmarke
Platz 3: Millionen demonstrieren gegen Assad
Platz 2: Sainab vom Sicherheitsdienst brutal umgebracht