Gibt es eine Zukunft für eine 2-Staaten-Lösung?
05. November 2010
Zumindest die israelische Seite kann mit dem bestehenden Status Quo perfekt leben.
- Sicherheitspolitisch ist die Westbank fest unter Kontrolle - der IDF in Zusammenarbei t mit den sicherheitskräften der PA
- Die Siedlungstätigkeit kann fortgesetzt werden
- Die wirtschaftliche Situation auf der Westbank entwickelt sich zum Besseren
Perfekt? Fast perfekt. In einer Hinsicht nämlich ist ein Palästinensischer Staat für Israel unverzichtbar; nur bei klar definierten Grenzen zwischen einem jüdischen Staat Israel und einem arabischen Staat Palästina kann die gewollte jüdische Identität Israels erhalten bleiben. Die unscharfen Grenzen, wie sie im Status Quo existieren werden über kurz oder lang zu dem Problem führen, dass die arabische Bevölkerungsmehrheit Israel als jüdischer Staat in Frage stellen wird.
Würde sich die gegenwärtige Israelische Regierung - oder die Oppositionspartei Kadima - darauf vorbereiten, einen unabhängigen, existenzfähigen Staat Palästina 1 zu akzeptieren, müsste die Öffentlichkeit darauf vorbereiten, Siedlungen auf der Westbank aufzugeben; wie es z.B. Sharon bei der Räumung des Gazastreifens getan hat. Dies geschieht nicht, im Gegenteil wird versucht, selbst einen temporären Baustopp zu unterbinden.
Aber das Dilema eines Staates mit unscharfen Grenzen und einer zahlenmäßig großen arabischen Bevölkerung bleibt. Auf diese Situation bereitet sich die israelische Regierung vor (Eine Regierung von "Rassisten, Nationalisten, Zionisten, Opportunisten", wie Uri Avneri sagt 2). Es werden Gesetze vorbereitet und verabschiedet, Forderungen erhoben, die zum Teil in absurder Kleinlichkeit die arabische Bevölkerung ausgrenzen.
Keine Vorbereitung auf eine Räumung von Siedlungen, stattdessen ei ne Vorbereitung auf die (weitere und zunehmende, muss man sagen) Ausgrenzung der arabischen Bevölkerung; statt äussere Grenzen zu vereinbaren, werden innere Grenzen aufgerichtet und verstärkt.
Keineswegs unerwartet der Abgesang auf einen unabhängigen, existenzfähigen Staat Palästina.
Klassische Arabische Musik in 'Damaskus
April 2007
... Bevor wir aufgebrochen waren, hatte ich durch Zufall einiges über arabische Musik gehört.
Was mir besonders interessant erschien, war die Interaktion zwischen Interpreten und Publikum. Ich hörte auch Aufnahmen von Umm Kulthum, auf denen das in bemerkenswerter Weise deutlich wurde. Ob das aber auch im Staatstheater so sein würde?
Am Donnerstag Abend kamen wir am Theater an, es war kalt und wir waren eine Stunde zu früh. Die Türen waren verschlossen, 2 oder 3 Besucher waren mit uns vor der Tür und es hieß, wir müssten noch 10 Minuten warten. Tatsächlich wurde nach einer Weile geöffnet und wir passierten die Sicherheitsschleuse.
Dieses Theater ist eine interessante Mischung aus modernen westlichen und arabischen Stilelementen.
Nach einer Weile war es Zeit und wir nahmen unsere Plätze ein. Die Bühne war blumengeschmückt, das Fernsehen übertrug die Aufführung. Kurz vor dem offiziellen Beginn kam der Schirmherr, mit viel Gefolge und unter großer Aufmerksamkeit.
Als ich den Programmzettel las, war ich mir nicht mehr sicher, ob wir hier richtig wären: Geige, Cello, Flöte - eine Besetzung wie von zu Hause gewohnt. Doch als nach einem kurzen Zwischenspiel - Nationalhymne - die Aufführung begann, war klar: Das hatten wir noch nie gehört.
Eine Sängerin, zwei Sänger und ein Cello-Solo unterhielten uns die nächsten 2 Stunden.
Anders als in der klassischen europäischen Musik ist der Tonraum in der
arabischen Musik in Vierteltöne aufgeteilt. Manche Zuhörer fragen sich deshalb, ob das überhaupt Musik ist.
Aber ja: es ist.
Es gibt wohldefinierte melodische und rhythmische Muster, die von den Musikern/Sängern verwendet und immer wieder neu interpretiert werden (und gerade diese erfolgt in der Interaktion mit dem Publikum) Wir hörten gebannt zu und versuchten, uns einen Reim darauf zu machen - doch in jeder Hinsicht fehlte uns die Erfahrung. Manche der Muster tauchten an diesem Abend wiederholt auf und wir hörten sie - oder glauben das zumindest - auch bei späteren Gelegenheiten.
Natürlich sind die Melodien und Rhythmen fremd. Wenn man gewohnt ist, die Mainstream-Musik von Beatles bis Zeppelin mit Tonika, Dominante, Subdinante zu hören, muss man sich umstellen.
Mir blieb im Ohr besonders die Leichtigkeit, sowohl der Musik als auch der Sänger.
Die Sänger wirkten völlig unangestrengt. Einer scherzte während seines Auftritts mit dem Kapellmeister und dem Dirigenten, stand da so rum und sang wie ein Orpheus. Es hat nicht viel gefehlt und er hätte sich ganz locker eine Zigarette angezündet...
Ein überaus beeindruckender Abend...