Nach dem Arabischen Frühling

Detail vom Opernhaus in Kairo

In Homs sammeln sich seit dem Sommer immer mehr Bewaffnete an, seien es Syrer oder Gruppen, die aus dem Ausland kommen. Damit beginnen furchtbare Geschichten und es tauchen – wie die Irish Times berichtet – seltsame bewaffnete Elemente auf. Ähnlichs wurde uns von Freunden während eines Besuchs in Syrien im April 2012 mitgeteilt.

02.07.2011 Irish Times
'Die Protestbewegung vertreitete sich. Anders als der Aufstand in Ägypten, waren die Proteste nicht friedlich. Büros der Baath-Partei und Polizeiposten wurden in Brand gesetzt, Statuen, Banken und Geldautomaten vandalisiert… Seltsame bewaffnete Elemente tauchten auf und die Syrische Moslembruderschaft nutzte die Unruhe aus, um die Regierung und die Sicherheitskräfte auch physisch anzugreifen … '
http://www.irishtimes.com/newspaper/opinion/2011/0702/1224299933137.html

Von diesen seltsamen bewaffneten Elementen hört man auch an anderer Stelle. Es wird – z.B. in Diskussionsforen über Syrien – berichtet, dass unglaublich viele Bewaffnete auftauchen, die behaupten die Interessen von Demonstranten zu vertreten – die Demonstranten sehen das aber teilweise vollkommen anders.

Tatsächlich beginnt damit eine Entwicklung, in der zumindest Alawiten und Christen in Homs verfolgt und terrorisiert werden. Sektiererische Auseinandersetzungen nehmen zu.

19.07.2011
Der Gouverneur von Homs, Gasan Abd Al Ahl teile in einer Ansprache an die Bürger mit, dass der Staat alle Anstrengungen unternehmen werde, um die Verbrecher zu finden, die seit Wochenbeginn 11 Tote in der Stadt Homs zu verantworten haben.
Abd Al Ahl sagte gestern in seiner Fernsehansprache: 'Die Bürger von Homs sind im Herzen der syrischen arabischen Nation. Wir haben gestern eine bittere Spaltung gesehen durch bösartige Verschwörer, denen die Nation ausgesetzt ist. Es gab 11 Todesopfer aus verschiedenen religiösen Gruppen, Alawiten und Moslems'.
Der Gouverneur von Homs fügte hinzu: 'Wir werden diese Verbrecher der Gerechtigkeit zuführen…'.Unsere Sicherheitsorgane werden nicht ruhen usw…
31.07.2011
…hat mir furchtbare Geschichten erzählt die er von seinen Verwandten in Homs gehört hat. Die Menschen dort haben grosse Angst, überhaupt noch auf die Strasse zu gehn. Leute werden erschossen und richtig geschlachtet … und in Onkels Haus überall Kugeln und manchmal mit Hilfe des Militärs würden sie zu Lebensmitteln kommen. Demonstrationen - das seien keine Demonstrationen.. Motorradfahrer die um sich schiessenund die Menschen seien total eingeschüchtert, vor allem die Alawiten und die Christen.
16.11.2011
Gestern ist ein Verwandter von E. 55 jährig in Homs auf dem Heimweg vom Spital erschossen worden. Die Menschen beginnen ihre Häuser mit dicken Ketten zu verschliessen. Ein anderer Onkel, den ich persönlich kenne wollte unbedingt nach Homs zur Beerdigung fahren, aber die Verwandten konnten ihn davon abhalten. Auch fährt im Moment kein einziges Taxi mehr nach Homs. Die Situation scheint zu eskalieren. Diese sogenannte bewaffnete freie Armee scheint zu wüten.
Private Mail aus Damaskus

Was danach geschah, ist weitgehend bekannt. Die Beobachtermission der arabischen Liga besuchte unter anderem Homs und hielt in ihrem Bericht fest:

18.01.2012
…Immediately on arriving in Homs, the Head of the Mission met with the Governor of the city, who explained that there had been an escalation in violence perpetrated by armed groups in the city. There had been instances of kidnapping and sabotage of Government and civilian facilities. Food was in short supply owing to the blockade imposed by armed groups, which were believed to include some 3000 individuals. The Governor further stated that all attempts by religious figures and city notables to calm the situation had failed. He made enquiries regarding the possibility of addressing the issue of soldiers and vehicles blocked inside Baba Amr.
14. The Mission visited the residential districts of Baba Amr, Karam Al-Zaytun, Al-Khalidiyya and Al- Ghuta without guards. It met with a number of opposition citizens who described the state of fear, blockade and acts of violence to which they had been subjected by Government forces. At a time of intense exchanges of gunfire among the sides, the Mission witnessed the effects of the destruction wrought on outlying districts. The Mission witnessed an intense exchange of gunfire between the Army and opposition in Baba Amr. … 15. … 16. At that meeting, the Syrian side agreed to withdraw all military presence from the city and residential areas except for three army vehicles that were not working and had been surrounded,

Die syrische Armee zog sich zurück – die Bewaffneten Gruppen indes blieben. Die Folge davon war, dass sie diesen Rückzug ausnutzten, ihre Positionen ausweiteten und verstärkten.